Handwerkskammer der Pfalz Kaiserslautern

Selbstverwaltung ist kein Selbstläufer

Bild: Ellen Thum

PerSe: Bildungsinitiative „Perspektive Selbstverwaltung“ erarbeitet Lösungsansätze für anstehende Herausforderungen im Handwerk.

Auf der Suche nach Antworten auf die aktuell anstehenden Themen im Handwerk trafen sich Ende Mai die Teilnehmer des Bildungsprojektes „Perspektive Selbstverwaltung“ (PerSe) zu einem zweitägigen Arbeitsseminar in Kaiserslautern. Unter der Federführung des Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der Handwerkskammer, Michael Lehnert und in Kooperation mit der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben standen dieses Mal die Themen Gesundheit am Arbeitsplatz und Digitalisierung im Vordergrund. So griffen Rüdiger Schoner von der Allgemeinen Ortskrankenkasse mit seinem Vortrag „Gesundheit am Arbeitsplatz“ und der Digitalisierungsberater der Handwerkskammer, Igor Tabatschnik, mit seinem Referat über die Web-Seite für Unternehmen diese Themenschwerpunkte auf. Tabatschnik verwies auf die Bedeutung einer optimalen Homepage als Visitenkarte eines Betriebes und als Einstieg in die Digitalisierung.

Kammer-Vizepräsident Lehnert freute sich, mit Michael Detjen, Mitglied des Europäischen Parlamentes und ehemaliger DGB-Regionsgeschäftsführer, einen besonderen Gast und ausgewiesenen Fachmann im Sozial- und Arbeitsrecht begrüßen zu können.

Am zweiten Seminartag vermittelte der Technologieberater der Handwerkskammer, Joachim Holzer, interessante Einblicke in die Frage „Machen Internet-Plattformen das Handwerk platt?“. In seinem Vortrag stellte er kommerzielle und nicht-kommerzielle Internet-Plattformen vor und regte damit eine lebhafte Diskussion unter den Teilnehmern an. Auffällig seien die vermehrt auftretenden sogenannten Auftragsvermittler für das Handwerk, wie etwa Großunternehmen, die gleichzeitig ihre Produkte und dazu passende handwerkliche Leistungen verkauften. „Hier werden Handwerker zu Erfüllungsgehilfen der Plattformen“, warnte Holzer. So angenehm und bequem dieses Geschäftsmodell für die Kunden auch sei, für die Mitarbeiter des betroffenen Handwerksunternehmens bedeute dieses Modell oft keine festen Arbeitsverhältnisse - ganz zu schweigen vom Verdrängungswettbewerb über daraus resultierende Dumpingpreise. Die Politik und die Handwerksorganisation seien gefordert, regulierende Maßnahmen für fairen Wettbewerb zu treffen und darauf zu achten, dass die bestehenden Arbeitsschutzgesetze nicht ausgehebelt werden.

Helmut Dittke, Koordinator für Handwerkspolitik bei der IG Metall, ging auf aktuelle handwerkspolitische Entwicklungen ein: „Vom Hufeisen bis zur Drohne – Handwerksberufe unterliegen einer ständigen Veränderung.“ Diesen Wandel im Sinne der Mitarbeiter zu gestalten sei die eigentliche Herausforderung. Dittke bemängelte die zu geringe Tarifbindung und die damit verbundene teilweise zu geringe Entlohnung im Handwerk, die mit zum aktuellen Fachkräftemangel beitrüge. Die immer geringer werdende Zahl von Auszubildenden im Handwerk bedeute langfristig auch einen Rückgang von Gesellen und Meister, die ihrerseits ausbilden können. Diese Entwicklung münde in einer Dequalifizierungsspirale, warnte er. Gleichzeitig lobte er die Mitwirkung und die Unterstützung des Projektes durch die Handwerkskammer der Pfalz. Hauptgeschäftsführer Dr. Till Mischler begrüßt die vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Initiative PerSe ausdrücklich und dankt allen Beteiligten für ihre Mitwirkung: „Die Initiative zeigt, wie engagiert sich die Arbeitnehmer-Vertreter im pfälzischen Handwerk einbringen“.

Als Fazit der Veranstaltung zeigte sich, dass der Initiative PerSe auf absehbare Zeit die Themen nicht ausgehen werden. Michael Lehnert bedankte sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die aktive Mitarbeit und plante für den Herbst ein weiteres Treffen.

Text: Melanie Minges

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